Personality: Alex Pichlmayer (35)
Schuld ist Travis Baker
Von oben bis unten so zugehackt zu sein wie der Drummer der kalifornischen Punk-/Rockband „blink 182“ Travis Baker: diesen Traum hat sich Alex längst erfüllt. Nun feilt er an seinen Fähigkeiten, selbst gut Schlagzeug zu spielen. Mit Freundin Viktoria (36) lebt der technische Zeichner seit rund einem Jahr in einem Bauernhaus auf dem Land in Oberösterreich.
Fotos, Video: Johann Kopf
Recherche, Text: Volker Müller-Veith
„Er war mein Idol“, charakterisiert Alex seine Beziehung zu Travis Baker. „Mir hat immer gut gefallen, wie er Schlagzeug spielt und von oben bis unten zutätowiert ist.“ Das war Alex schließlich auch, mit vergleichsweise zarten 26 Jahren. Damals habe ich ihn für die erste Printausgabe von INK SOCIETY in Linz besucht. 2017 war das. Nun, im Frühjahr 2026, ein erneutes Treffen. Diesmal in Offenhausen bei Wels im Bundesland Oberösterreich. Hier lebt er inzwischen mit Freundin Viktoria (36) in einem gemieteten Bauernhaus. Idylle pur. Tattoomäßig konnte bei ihm nicht mehr viel dazukommen. Doch halt: die Handrücken sind neu, oder? Richtig, von Fritz aus Wels. Und die Finger? Die hat Marc Scheuchl tätowiert, die Seiten der Hände und die Schläfe Ulrich Krammer, beide in Linz ansässig. Bei Viktoria, 2017 noch ganz „unbefleckt“, fallen die zart schwarzgrau geschmückten Arme sofort ins Auge. Wäre ja auch seltsam gewesen, wenn sie bei einem solchen Freund nicht irgendwann von der Lust auf Bilder am eigenen Körper angesteckt worden wäre.
Finanziell auf Rosen gebettet ist Alex nicht aufgewachsen. „Mein Herzenswunsch war ein Schlagzeug. Aber meine alleinerziehende Mutter hatte nicht viel Geld“, erzählt er. „Daher bekam ich es nicht gleich, suchte nach einem gebrauchten. Schließlich konnte sich meine Mutter ein Einsteigerset für mich leisten. Begeistert spielte ich in unserer Wohnung am Marktplatz des Städtchens Haslach.“ Bis draußen auf der Straße war das zu hören. Auch ein Lehrer der örtlichen Musikschule bekam das Trommeln mit. „Als ich meinen Kumpel einmal zur Musikschule begleitete, fragte mich der Lehrer, ob ich das sei, der da Schlagzeug spielt und ob ich schon Unterricht bekomme.“ Den gab er ihm dann, ein Jahr lang kostenlos. Schließlich nahm ihn die Musikschule auf.
Zum „Travis Baker-Nachfolger“ fehlten jetzt nur noch die Tattoos. Mit großer Energie und Leidenschaft hatte er das Schlagzeug spielen verfolgt. Mit vielleicht noch mehr Motivation und Power nahm er nun auch das Vorhaben „tätowiert sein“ in Angriff. Um das dafür nötige Geld zu sparen, kam er auf eine generell kluge Idee: Er hört mit dem Rauchen auf, sparte monatlich 140 Euro und konnte sich Schritt für Schritt seine Tattoos leisten. Die Tätowier-Termine reihten sich in so schneller Folge aneinander, dass darunter das Proben mit seiner Death Core-Band „Pray that I miss“ litt. Sie löste sich auf.
Alex fand eine neue Leidenschaft: das Training im Fitnessstudio. Hier kam Viktoria ins Spiel. Im Fitnessstudio lernten die beiden sich kennen und sind – das erinnern sie genau – seit dem 24. April 2016 ein Paar. 2017 war diese Beziehung noch recht frisch. Und wenn die beiden ein gemeinsames Lebensmotto zu haben scheinen, dann folgendes: Entwickle immer mal wieder eine neue Leidenschaft und setzen sie konsequent um. Viktoria realisiert inzwischen ihre Tattoo-Passion am eigenen Körper und pilgert dafür zu Ulrich Krammer. „Seine Schattierungstechnik hat mich überzeugt.“ Beide fahren inzwischen eine jeweils eigene Harley Davidson, ohne dabei zu großem Wohlstand gekommen zu sein. „Wir leben relativ im Moment. Geben das Geld, das wir verdienen, aus.“ Nix Sparbuch. Alex hat gerade über 10.000 Euro in ein Schlagzeug-Set mit Ständern und Mikros investiert. Wie gut, dass die beiden inzwischen in einem alleinstehenden Bauernhaus leben – zur Miete. Denn, wie gesagt, ihr „Wohlstand“ ist aus Ausleben ihrer Leidenschaften.
Lassen wir zum Schluss Alex noch ein wenig erzählen. Von zwei Tattoos, die er im Alltag selbst im Winter kaum verbergen kann: die im Nacken und vorne am Hals, womit noch einmal seine beiden Linzer Lieblingstätowierer ins Spiel kommen. „Für den Nacken bin ich zu Marc Scheuchl gegangen, Sigi’s Tattoo Shop. Marc sagte, cool wäre ein Wort, das kurz ist. Vier oder fünf Buchstaben, damit er sie groß machen kann. Viktoria schlug ‚sane‘ vor, ‚geistig gesund‘. Marc fand das gut. Er meinte, dass 90 Prozent da ‚insane‘ hätten haben wollen. Aber sich so zuhacken zu lassen, ist doch nicht krank!“ Das mit dem Hals vorne überlegte sich Alex lange, aus beruflichen Gründen. „Ich entschied mich schließlich dafür und für Ulrich Krammer. „Ich wollte nichts Gegenständliches, nur Abstarktes. Ulrich schlug noch ein zentrales Motiv vor, ein Auge zum Beispiel. Das lehnte ich ab und zum Glück ließ er sich darauf ein.“
