Künstlerportrait: Sebastian Wludarz (Traun, Oberösterreich)
Immer modern: Geometrie & Texturen
Fotos: Johann Kopf (@kopfoto.at)
Alpenvorland. Eine Gewerbegebiet in Traun, einer 25.000 Einwohner-Stadt im Bezirk Linz-Land. Eine Halle reiht sich neben die andere. Niemand würde hier ein Tattoostudio vermuten. Und doch, genau in dieser Gewerbe-Wüstenei befindet sich das „Wludarz Tattoo Collective“ auf gleich 200 Quadratmetern Fläche im zweiten Stock eines Bürogebäudes (www.wludarztattoocollective.com, @wludarztattoocollective, Sebastian: @wludarzdotworktattoo).
Es ist schon Sebastians drittes Studio in Folge. Warum „Kollektiv“? „Ich wollte nie alleine arbeiten, sondern mit kreativen Köpfen zusammen. Jeder soll voneinander lernen.“ Zwar gehört ihm das Studio, das er auch managet, als „one man for everything“. Zugleich ist ihm wichtig: „Ich bin kein Chef, es gibt keine Hierarchie. Gemeinsam rudert man einfach schneller in einem Boot als alleine.“ Einschließlich Putzfrau gibt es drei Angestellte, diese Kosten sind in die Platzmiete für Tätowierer mit einkalkuliert. „Jeder ist für seinen Platz selbst verantwortlich“, erklärt Sebastian sein Studiokonzept. Mit zum Team gehört seine Verlobte Melanie (34), zuständig für Permanent Make up. Seit zehn Jahren sind die beiden ein Paar.
Jeder Mitarbeiter des „Wludarz Tattoo Collective“ verfolgt seine eigene Stilrichtung, „so kommt es zu keinem studiointernen Konkurrenzkampf.“ Seine eigene, die geometrische, kombiniert mit Dotwork, betrachtet Sebastian als zeitlos schön. Dass sie gerade besonders gefragt ist, kommt Sebastians Vorliebe dafür natürlich entgegen. Für 2026 gab es schon Anfang des Jahres bei ihm keinen Termin mehr, „ich plane immer für ein Jahr im Voraus.“ In der Regel sind das große Projekte, „ganz selten One Shots.“
Geometrie auf Haut also. Eine eigene Szene. An ihr schätzt Sebastian auch den Zusammenhalt: „Der erscheint mir größer als im Realismus-Bereich.“ Er selbst ist auch auf der größten Geometrie-Tattoo-Convention der Welt vertreten, der in Ancona (Italien), bei der auch Lettering viel Raum einnimmt. Die „Ankonventional“ findet wieder von 6.-8. November 2026 statt. Und er gibt sein Wissen weiter: Zum Thema „Black Textures“ hat er bereits zweimal ein Tattooseminar mit einem von Österreichs Blackwork-Meistern veranstaltet: Manuel Rogaschewski aus Gleisdorf bei Graz.
Ist er also angekommen, ein Star in seinem Bereich? Typischerweise für Spitzenkräfte betrachtet er sich noch nicht als vollendet: „Ich sehe mich technisch und künstlerisch noch nicht da, wo ich hinwill.“ Und wenn ihn Gasttätowierer der Szene aus Polen, der Slowakei oder Schweden beehren, sind das „einfach Freunde, die mich besuchen, um sich untereinander auszutauschen und voneinander zu lernen.“
Sebastian Wludarz über seinen Tätowierstil:
„Ich arbeite mit Formen, Strukturen (Texturen) und Kontrasten, verbinde klare Linien mit weichen, organischen Elementen. Harte und feine Bereiche treffen aufeinander und schaffen Spannung im Bild. Dabei ist mir wichtig, dass jedes Motiv nicht nur gut aussieht, sondern ich es auch gezielt an die Körperformen des Kunden anpasse. So fügt es sich natürlich ein und geht mit den Körperbewegungen mit. Außerdem spiele ich mit unterschiedlichen Strukturen (Texturen). Mal sind sie ruhig und flächig, mal detailreich und kräftig aufgebaut. So entsteht ein Stil, der einfach wirkt, aber trotzdem Tiefe hat. Um ihn in die Haut zu bringen, arbeite ich mit hybriden Tattoomaschinen und zum Schattieren mit Spulenmaschinen.“
Service
Wludarz Tattoo Collective
Bäckerfeldstraße 3
A-4050 Traun
Österreich +43 676 3031404
www.wludarztattoocollective.com
Instagram: wludarztattoocollective
